Gottes Reich

 

Eine prägnante Zusammenfassung dessen, was Jesus sagte, findet sich in Matthäus 4,17: Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen! und ähnlich in Markus 1,15: Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Buße und glaubt an das Evangelium!

Um Schwierigkeiten bei einigen Worten in Luthers Übersetzung (z.B. "Buße") zu vermeiden, hier die Übersetzung von Markus 1,15 nach der Basisbibel: Die von Gott bestimmte Zeit ist da. Sein Reich wird sichtbar in der Welt. Ändert euer Leben und vertraut dieser guten Nachricht.

Wir haben es hier mit der ureigenen Botschaft des geschichtlichen Jesus zu tun. Er war um die 30 Jahre alt, als er seine Wanderungen durch Galiläa im Norden Israels begann. Er glaubte, dass "Abba" sich hier und jetzt offenbart, also zu seinen Lebzeiten. Deshalb lebte er, als  sei er schon da und als gäbe es keine andere Wirklichkeit als seine Gegenwart.

Die Theologen meinen, Jesus vertrete eine sogenannte Nah-Erwartung, das heißt: Gottes Reich werde demnächst oder bald sichtbar kommen. Doch es handelt sich um eine Jetzt-Erwartung. Es kommt nicht mehr als immer nur dieser Augenblick und der nächste. Und in jedem offenbart sich Gott.

Gott greift nicht als handelndes Subjekt in den Lauf der Geschichte ein. Er lässt durch uns handeln: durch unsere Offenheit für den Augenblick, für die Gegenwart, für die Wirklichkeit.

In dieses Bewusstsein vom Jetzt der göttlichen Gegenwart hat Jesus die Menschen eingeladen. Das erfordert eine tiefgreifende Transformation oder Änderung des Bewusstseins und des ganzen Lebens. Früher nannte man das "Buße". Doch die geschieht nicht durch eine Anstrengung des Willens, es fortan besser machen zu wollen, sondern durch die Bereitschaft, sich auf das Sichtbarwerden der göttlichen Gegenwart hier und jetzt einzulassen. Das meint die Einladung, dieser guten Nachricht zu vertrauen.

Was da gegenwärtig ist, wird deutlich, wenn man sich Jesu unbedingtes Vertrauen zu "Abba" vor Augen hält. Es ist die Gegenwart einer zärtlichen Verbundenheit mit dem Leben, einer Liebe, die alles einschließt und die Ausgegrenzten auf- und annimmt.

Das hat Jesus bei seinen Begegnungen mit Zöllnern - die galten als Kollaborateure mit der römischen Besatzungsmacht -, mit Huren und "Gesindel" und bei gutem Essen und Wein gelebt. Das hat ihm den Ruf einbracht, ein "Fresser und Weinsäufer" zu sein (Matthäus 11,19)