Glaubensbekenntnis

 

Die Leere in den Kirchen hat nicht nur, aber auch mit ihrer Lehre zu tun. Seit Jahrhunderten sprechen Christen dieses Glaubensbekenntnis:

 

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters, von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Ich habe Respekt vor alten Texten, die zudem regelmäßig gemeinsam wiederholt werden. Das vermittelt eine gewisse Vertrautheit und Heimat. Doch wenn die bisherige "Heimat" nicht mehr beheimatet, muss man sie verlassen. Dafür gibt es auch biblische Beispiele. Mich beheimatet dieses Bekenntnis nicht mehr, denn es drückt nicht angemessen aus, was Jesus Christus für mich heute bedeutet.

Das beginnt bereits mit dem "ich glaube an..." Jesus hat dem Grund des Daseins, den er "Abba" nannte,  vertraut. Mehr noch: er hat das selbst verkörpert. Er hat nicht daran geglaubt.

Dieses Glaubensbekenntnis ist über drei Jahrhunderte nach dem Auftreten Jesu entstanden. In dieser Zeit konsolidierte sich die christliche Kirche als Institution. Sie brauchte ein verbindliches Glaubensbekenntnis im Sinne einer religiösen Überzeugung. Das garantierte ihre Identität.

Jesus allerdings hat keinen Glauben an eine "heilige Kirche" und eine "Gemeinschaft der Heiligen" begründet. Stattdessen hat er Menschen eingeladen, in der Gegenwart Gottes zu leben.

Wie würde ich davon sprechen? Hier mein persönlicher und vorläufiger Versuch:

Ich vertraue Gott, der Quelle des Lebens, aus der ich samt allen Kreaturen hervorgehe.

Ich vertraue dem Gott, den Jesus gelebt und gezeigt hat.

Ich vertraue darauf, dass ich wie Jesus in Leid und Kreuz getragen und gehalten bin.

Ich vertraue darauf, dass ich mit ihm durch meine Nächte des Geistes und der Seele und  durch die finsteren Täler des Lebens wandern kann.

Ich vertraue darauf, dass ich mit Jesus eins bin mit dem Vater, dem er vertraut hat.

Ich vertraue darauf, dass er eine Gemeinschaft ermöglicht und begründet hat, die auf Freiheit, Vertrauen und Liebe beruht.

Ich vertraue darauf, dass das Bewusstsein Jesu auch heute mein und unser aller Bewusstsein erneuern kann.

Ich weiß nicht, ob man ein solches oder ein ähnliches Bekenntnis mit einer Gemeinde sprechen kann. Mit dem apostolischen Glaubensbekenntnis tue ich mich schwer. Vielen geht es so.