Abendmahl

 

"Jesu Leib, für dich gegeben." - "Jesu Blut, für dich vergossen."

Diese Worte, die bei der Feier des Abendmahls gesprochen werden, setzen ein bestimmtes Verständnis des Todes Jesu voraus. Demnach ist dieser gewaltsame Tod geschehen, weil die Vergebung der Sünden erst durch diesen Tod möglich geworden sein soll.

 

Das stimmt nicht mit der Botschaft Jesu überein. Im Gleichnis vom "gefundenen" Sohn zeigt Jesus, wie allein die Einsicht und die Erkenntnis des "Verlorenen" diesen wieder nach Hause geleitet. Er hatte sich vorübergehend von sich selbst und seinem eigentlichen Wesen, ein Mensch Gottes zu sein, entfremdet. Das hat er erkannt. Zu Hause wurde er ohne Bewertung seines Weges als "sündig" willkommen geheißen. Dazu bedurfte es keines rettenden Eingriffs von außen.

 

Das Abendmahl und seine Deutung durch die Vorstellung, Jesu Tod sei eine Sühne für die Sünden, setzt den traditionellen Opferkult am Jerusalemer Tempel voraus. Solange es diesen Tempel noch gab - er wurde etwa 70 nach Christus durch die Römer zerstört - war die Deutung des Todes Jesu mit Hilfe des Opferkultes für die damaligen Zeitgenossen plausibel. Deshalb hat Paulus auf diese Interpretation zurückgegriffen. Danach verlor diese Deutung ihre Überzeugungskraft.

 

Wenn die Kirchen heute an dieser Deutung verpflichtend festhalten, erschweren sie den Menschen den Zugang zur Botschaft Jesu, die ohne diese Vorstellung auskam. Die theologischen Differenzen verhindern bis heute eine Mahlgemeinschaft von evangelischen und katholischen Christen. Das hat auch mit den unterschiedlichen Interpretationen des Abendmahls zu tun und mit der Frage, wer "berechtigt" ist, der Feier vorzustehen. Das verstehen die Menschen heute nicht mehr.

 

Es hat darum Versuche gegeben, Brot und Wein schlicht als "Lebensgaben Gottes" oder als Zeichen der göttlichen Gegenwart zu verstehen - stellvertretend für andere Zeichen. Das erinnert an die Tischgemeinschaften Jesu. Das gemeinsame Essen war eine Feier der Versöhnung und Verbundenheit ohne Sühne. Es wäre sehr hilfreich, wenn solche Versuche kleiner Gruppen am Rand der Kirche anläßlich einer fälligen Glaubensreform zum 500. Jahrestag der Reformation offiziell in die Mitte kirchlicher Gottesdienste gerückt werden dürften, ohne dass man sich deshalb dem Vorwurf ausgesetzt sieht, das Bekenntnis der Kirche zu verfälschen.